Nachts allein in meinem Haus im Dschungel

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Ich befinde mich gerade mitten in den spannendsten 3 Wochen, die ich je hatte.
Ich war auf Safari in Kenia, wochenlang am Amazonas in Brasilien, aber jetzt befinde ich mich gerade mitten im Indischen Ozean auf einer
kleinen thailändischen Insel mit ca 800 Bewohnern, auf 4 Communities aufgeteilt , und das Ganze auf 3 x 10 km.
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Wie kam ich hier her?
Ich stehe an sowas wie einem kleine Hafen in Krabi, das Wasser dunkelbraun – das ist also die Andamanen See, von der jeder so schwärmt?
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Ich gehe über ein schmales, sehr schmales Brett hinüber auf ein Boot, das nur aus ein paar zusammengenagelten Holzstücken besteht.
Ich wollte nach Siboya Island.
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Der Mann am Boot sieht mich mit großen Augen an. „Was will die Frau alleine auf dieser Insel“ muss er wohl gedacht haben.
Nachdem ich ihm klar machte, was ich will – ja ich will dort wirklich alleine hin – schüttete er Benzin in sowas wie einen Tank und wir fahren los.

Raus auf das Wasser, das nun schon etwas mehr ins dunkelblau ging.
Die Luft ist mit Benzin getränkt. Wir hüpfen mehr übers Wasser als wir fahren.

Nach 20 Minuten sind wir auch schon da.

Angekommen

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Als wir dort ankommen, wirkt alles auf mich etwas surreal.
Bäume stehen mitten im Wasser, wo wohl Land sein muss, wenn Ebbe herrscht.
Ein paar ebenfalls verfallenen Holzboote stehen fast übereinander am Ufer, das Wasser wieder dunkelbraun.
Ein paar Männer stehen mit ihren Fischernetzen in der Hand und sahen mich an, als hätten sie noch nie einen Menschen von „ausserhalb“ gesehen.
Auf mich wartet ein junger Mann mit einem Moped mit Beiwagen, das aussieht, als wäre es aus Draht gemacht.
Er bringt mich zu meiner Anlage, in der etwa 20 Häuser stehen. Doch ich bin der einzige Gast hier sagt er mir.
„We have low season. Its Monsun“ sagt er zu mir, was mich nicht gerade beruhigt.
Wir kommen in eine große Anlage mitten im Dschungel, wie sie grüner nicht sein kann.
Es stehen hier einige Hütten aus Bambusholz – große Häuser, kleine Hütten, Bungalows, alle auf Holzpfählen gebaut.
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Ich werde zu meinem Haus gebracht. Es ist ein großes Haus. Aus Holz. Sehr schön.
Mit Stufen außerhalb zum Schlafzimmer. Mitten im Regenwald.
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Rundherum viele Affen, Vögel……….
Ich lausche den Dschungelgeräuschen. Ich höre Affen, verschiedene Vogelarten. Es klingt wie in einem Traum.
Anscheinend machen die Affen heute Party, sie schreien, man hört ein Wildschwein (oder so ähnlich) – es ist laut.

Ich packe meinen Rucksack aus.

Ich frage mich, wie ich hier alleine die Nacht überstehen sollte.
Das Haus, es hat keine Fenster – nur Holzpfähle – und dazwischen nichts.
Das Wohnzimmer – im 1.Obergeschoss ist total offen und mit der Veranda verbunden.
Das Schlafzimmer – im 2. Obergeschoss weiter hinten in den Wald hinein – auch keine Fenster – ist ziemlich dunkel und von Bäumen umgeben.
Ein Moskito-Netz hängt über dem Bett. Ein Badezimmer gleich im Anschluss mit schwarzen Fliesen.
Oh Gott – wie soll ich hier nur die Spinnen erkennen.
Zwei Fledermäuse huschen über meinen Kopf hinweg vom Schlafzimmer zurück ins Bad und nach draußen und so drehen sie ihre Runden.
Bis sie irgendwann verschwunden sind.
Ich gehe ein Stockwerk tiefer in mein Wohnzimmer und zünde mir ein paar Räucherstäbchen an und genieße die Natur mit ihren Lauten.
Ich fühle mich glücklich und frei.
Was kann ich hier jetzt anderes machen als meditieren. Es schreit förmlich danach, zu meditieren.
Es ist Ebbe.
Es gibt hier keinen Strand.
Es ist ein Land mit Bäumen, das mal überflutet wird bei Flut und bei Ebbe wieder Land ist.
Und trotzdem – es wunderschön hier.
Es gibt keine anderen Fremden hier, außer einem deutschen Mann, den ich aber noch nicht zu Gesicht bekommen habe.
Ich verbringe einen wunderschönen Tag, wandere umher, schieße wunderbare Fotos, gehe ins Wasser, schaue mir die kleinen Dörfer an.
Es ist, als wäre man um hunderte Jahre zurückversetzt worden.
Es ist alles so friedlich und ruhig, rundherum die Tiere, die in Frieden leben.
In einem Dorf stehen einige Holzhäuser mit Motorrädern davor.
Bei manchen Häusern liegen die Bewohner in der Hängematte vor dem Haus, manche Häuser sehen fast verlassen aus.
Hunde überall. Auch viele Katzen.
Es ist später Nachmittag. Ich habe noch eine Stunde, bis es um 18 Uhr dunkel wird.
Ich gehe zurück. Überall wunderschöne Buddha-Stauten und Räucherstäbchen davor.
Es riecht nach Urwald, nach Natur. Es ist so wunderschön grün hier.
Die Luft ist feucht; mit fast 100 Prozent Feuchtigkeit angereichert.

Sonnenuntergang

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Mittlerweile geht die Sonne unter, begleitet von einer wunderschönen Farbenpracht.
Der Himmel wird immer roter. Bis die Sonne schließlich ganz verschwunden ist.
Es ist stockdunkel. Kein einziges Licht ist mehr zu sehen.
Hilfe!! Ich muss noch zu meinem Haus!!!! Wo ist mein Haus??

Ich bin stark

Ich nehme all meinen Mut zusammen, schalte meine Taschenlampe ein und gehe einen Schritt in den stockdunklen Wald. Oh Gott – es ist wirklich
dunkel. Ich gehe weiter.
Ich sehe nichts ausser den kleinen Schein meiner Taschenlampe.
Ich gehe immer schneller.
Nach einer gefühlten Ewigkeit sehe ich mein Haus. Ich gehe auf die Veranda, auch Wohnzimmer genannt, mache alle Lichter an, beruhige mich und genieße die Schönheit des Urwaldes.
Es ist still. Bis auf ein paar vereinzelte Vögel und das Rauschen des Meeres ist es still. Die Tiere schlafen.
Ich habe Angst; Angst vor der Nacht alleine in einem mir unbekannten Wald. Welche Tiere leben hier.
Welche streichen in der Nacht umher?
Womöglich gibt es hier Tiger oder Puma oder gar Leoparden, wie sie ja in Asien noch leben.
Ich schalte meine Gedanken aus, zünde wieder ein paar Räucherstäbchen an, mache mir Musik.
Ich bin alleine. Mitten in Asien auf einer Insel im indischen Ozean in einem Haus im Dschungel!

Was ist das?

Plötzlich ein lauter Krach in der Dunkelheit. Oh Schreck – mein Herz. Was war das?
Kommt der Tiger um mich zu holen? Oh nein – es war nur eine Kokosnuss, die von der Palme auf ein Hausdach geknallt ist.
Oh Gott bin ich erleichtert. Es beginnt zu donnern in der Ferne. Ich höre Regentropfen, die leise auf die Bäume plätschern.
Es ist schon fast kitschig – so schön ist das hier.
Wie aus „Eine Liebe in Afrika“. Ein Liebesfilm in Südafrika.
Ich genieße den Moment.
Während ich diesen Artikel schreibe, sitze ich auf meiner Veranda, draussen regnet es, die Luft ist feucht.
Es wird später und später, mittlerweile ist es 20 Uhr, ich möchte ins Bett gehen.
Und so nehme ich nochmal meinen ganzen Mut zusammen und gehe an der Aussentreppe des Hauses entlang, die mich zum Schlafzimmer führt.
Die Türe ist mit einem dicken Schloss verriegelt, ich öffne es mit zitternden Händen. Nach einigen missglückten Versuchen, das Schloss zu öffnen, habe ich es geschafft.
Ich hüpfe rein, schließe die Türe schnell hinter mir zu.
Bis mir plötzlich auffällt – ich bin ja gar nicht im geschlossenen Raum – also warum schließe ich die Türe so schnell, nur um mich in Sicherheit hinter verschlossener Türe zu fühlen??
Ja – die Türe ist zu – aber die Fenster!!
Da hängen nur ein paar dünne Vorhänge davor.
Auch gut. Ich werde diese Nacht überstehen. Irgendwann wird es wieder hell werden.
Und bis dahin werde ich einfach schlafen. Es ist jetzt kurz nach 20 Uhr. So früh bin ich noch nie ins Bett gegangen.
Ich gehe ins Badezimmer, ich sprühe die gesamten Fliesen mit der Dusche ab, um eventuelle Spinnen zu vertreiben.
Ja ich weiss, das ist lächerlich. Aber mir gibt es ein Gefühl von Sicherheit – das ich im Moment ein wenig brauchte.
Zwischen Wand und Dach befindet sich nochmal ein ca halber Meter Abstand, so dass mir jedes Tier in dieser Größe ohne Probleme
einen Besuch abstatten könnte.
Sollte ich jetzt jedes Mal, wenn ich ins Bad gehe, die gesamten Fliesen mit Wasser absprühen?
Ja – genau das ist mein Plan. Und ein ziemlich guter Plan wie ich finde.
Ich mache das Licht aus – immer noch mit meiner eingeschalteten Taschenlampe in der Hand krieche ich unter das Moskitonetz, das über meinem Bett gespannt ist.
Es ist dunkel. Trotz meiner Taschenlampe, die ich ganz fest in meiner Hand halte, an die ich mich klammere als wollte ich sie nie mehr loslassen.
Es regnet mittlerweile schon etwas heftiger und die Regentropfen prasseln mit voller Wucht aufs Dach, auf die Blätter, auf die Veranda.
Man kann jeden einzelnen Tropfen hören.
Ich liebe doch den Regen und das Gewitter. Warum macht es mir hier so eine Angst?
Nur weil ich alleine bin? Im Dschungel?
Was für ein Blödsinn. Ich habe keine Angst!!!
Ich mache voller Mut meine Taschenlampe aus – mache meine Augen zu – versuche zu schlafen.
Von draußen tönt ein Klopfen. Ist da Klopfen an meinem Haus? Leise stehe ich auf, gehe zum Fenster und schiebe vorsichtig den Vorhang, der vor dem Fester baumelt, zur Seite.
Nichts.
Das Klopfen kommt vom Haus nebenan. Aber dort wohnt niemand. Es wird lauter und schneller.
Mein Herz klopft lauter als das Klopfen vom Nebenhaus.
Was kann das sein?
Ich bin beruhigt, dass es nicht bei mir ist.
Ich schließe den Vorhang wieder vorsichtig, und gehe einfach davon aus, dass dies ein Affe ist, der seine Kokosnuss öffnet.
So ist das und Punkt. Also kein Grund zur Panik liebe Nina.
Es ist alles okay.
Ich krieche wieder in mein Bett und schließe erneut meine Augen – versuche einzuschlafen.
Von überall kommen Geräusche, der Wind weht jetzt sehr stark.
Ich mache mir die absurdesten Gedanken von Affen, die durchs Fenster kommen, Tiger, die mich von
Weitem beobachten.
Plötzlich fallen mir die Touristenmorde von Ko Tao ein, die ja gar nicht so lange her sind.
Nein nein. Weg mit solchen Gedanken. Ich höre jedes Geräusch viel lauter als es wahrscheinlich ist.
Plötzlich höre ich, wie im Badezimmer die Strohjalousien an das offene Fenster krachen.
Steigt jetzt jemand beim Fenster in mein Schlafzimmer? Nein, es war nur der Wind.
Ich möchte schlafen, um meiner Angst zu entkommen.
Immer wieder höre ich verschiedene Geräusche, aber ich werde gelassener und schrecke nicht gleich bei jedem Geräusch auf.
Ich lasse es einfach geschehen und versuche es zu genießen.
Ich habe ein Dschungelhaus, es regnet. Das ist doch eigentlich sehr romantisch.
Mit diesen Gedanken schaffe ich es nach langem Umherwälzen doch einzuschlafen.
Mehrmals werde ich munter in dieser Nacht.
Ich höre lautes Wellenschlagen, als ob das Meer hier ganz bei mir ist.
Ich glaube es nicht, es wird schön langsam hell draußen.
Und tatsächlich, das Meer kam näher. Es ist Flut und das Meer ist fast direkt vor meinem Haus.
Die Wellen sind laut. Es ist schön, so geweckt zu werden.
Ich öffne die Türe, atme tief ein. Ich habe die Nacht überstanden.
Ich bin sehr froh, dass der Morgen endlich da ist.
Vor meinem Fester sitzen 3 Affen auf einem Baum und schauen neugierig durch die Strohjalousie.Sie wollen wissen, wer hier noch gerade aufgestanden ist.

Das Leben möchte mir was zeigen

Mit meiner Entscheidung, 3 Wochen auf dieser Insel in diesem Haus zu verbringen, will mir das Leben etwas sagen.
Etwas beibringen. Und ich werde es lernen und auf mich nehmen. Und ich werde lernen mit der Dunkelheit – vor allem hier – umzugehen.
Und es wird jede Nacht besser werden.
Bis es mir gar nichts mehr ausmachen wird.
Habt ihr auch solche „wunderschönen“ Erlebnisse gehabt?Erzählt sie mir, ich würde sie sehr gerne lesen.
Deine Nina



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